Der BaumInvest Blog

Interview mit Martin Homola – Teil 1

von | 17. Sep 2021 | Neues aus Costa Rica

Die Entwicklungen in Costa Rica schreiten im schnellen Schritt voran, was Antje Virkus im August veranlasste, mit Aufsichtsratsmitglied und Forstexperten Martin Homola gemeinsam vor Ort zu sein. Hier konnten beide sich vom Fortschritt des Waldgestalter-Erlebnis Pfades auf der wunderschönen Finca La Virgen überzeugen.

Neben dem Besuch der BaumInvest Aufforstungen vertiefte Antje Virkus die bereits seit letztem Jahr intensivierten Kooperationen im Bereich Forschung und Weiterverarbeitung heimischer Baumarten in Costa Rica. In diesem Rahmen stand ein bedeutender Termin bei der Nationalen Forstbehörde Costa Ricas an. Hier wird BaumInvest als zukunftsreicher und spannender Akteur im Bereich der heimischen Holzproduktion und CO2 Kompensation mit Wald wahrgenommen. Austausch- und Kooperationsmöglichkeiten wurden diskutiert und ein nächstes Treffen für November gleich vereinbart. Ein weiterer Austausch stand mit einer langjährigen Försterin der Gesellschaft für International Zusammenarbeit in Costa Rica an. Die Expertin erläuterte wertvolle Informationen zu Baumwachstum heimischer Arten und deren enormes Potential zur Kohlenstofffixierung.

Mit Ronnie de Camino, Forstexperte und ehemaliger Leiter des renommierten CATIE Forschungsinstituts, tauschte sich Antje Virkus in San José aus, besprach die Vorbereitungen für die Investorenreise im November diesen Jahres und konnte sich vor Ort bereits von seiner Holzkunst beeindrucken lassen. Während der Reise haben unsere Teilnehmer die Möglichkeit, bei einem „Kunst- Aperó“ die Werke des Künstlers zu bestaunen. Für alle, die nicht nach Costa Rica reisen, stellen wir die Arbeiten in einem der nächsten Blogbeiträge vor.

Nun aber zu unserem Gast Martin Homola: seine Eindrücke über die Aufforstungen, neuen Strukturen und die Hilfsbereitschaft der Menschen vor Ort hat er uns in einem langen Gespräch geschildert. Hier der erste von zwei Teilen des Interviews: über seine Erlebnisse auf den Fincas, Verbesserungsmöglichkeiten in der Forstwirtschaft und verschollene Reisepässe.

BaumInvest: Herr Homola, 38 Jahre lang waren Sie für die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) tätig, haben dabei unzählige Forstprojekte weltweit besucht und beraten – da können wir doch davon ausgehen, dass Sie vor Ihrer jüngsten Reise schon einmal in Costa Rica gewesen sind, richtig?

Martin Homola: In der Tat bin ich dort schon vier, fünf Mal gewesen, erstmals Mitte der 90er. Im Land hat sich einiges getan – aber primär ging es mir bei der jüngsten Reise darum, konkret die Projekte von BaumInvest anzuschauen.

BaumInvest: Dann reisen wir doch in Gedanken gemeinsam noch mal zurück nach La Virgen, El Concho und San Rafael: Welche Eindrücke haben Sie von dort mitgebracht?

Homola:  Zuallererst muss ich sagen: BaumInvest ist in seiner Außendarstellung einfach authentisch. Es gibt sie tatsächlich, die nachhaltigen und jetzt gut gemanagten Wälder. Da konnte ich mich mit eigenen Augen von überzeugen. Beeindruckend ist natürlich das Konzept, wie wir die Natur nachahmen. Denn nichts anderes machen wir dort: Wir imitieren den Wuchs eines Naturwaldes. Dort wachsen auch zuerst Pionierbaumarten, die schnell hoch schießen und anderen Schatten spenden, den Halbschatt- und hochwertigen Schattbaumarten, die im Bestand bis zu ihren jeweiligen Erntezeitpunkten stehen bleiben.

BaumInvest: Was sagen Sie denn zur Kritik, Aufforstungsprojekte bräuchte es nicht, die Natur bekäme es von alleine hin?

Homola: Da kommen wir zum springenden Punkt. Ja, die Natur würde es allein hinbekommen. Sie braucht aber dafür viel Zeit, von null auf 100 geht das gut und gerne mal 200 Jahre. Heißt: Wenn wir nichts tun, erleben weder Sie noch ich, dass auf einst gerodeten Flächen wieder vitale Wälder stehen. Andersrum: Wir haben das Knowhow, also setzen wir es doch ein, unterstützen die Natur beim Wachstum, beim naturnahen Wachstum. Was die Natur in 150 Jahren hinbekommt, wollen wir mit unserer Hilfe gemeinsam mit ihr in 35 Jahren schaffen.

BaumInvest: Ambitioniert!

Homola: Aber möglich. Und mit Blick auf den Klimawandel auch von höchster Priorität.

BaumInvest: Wie bewerten Sie als Forstexperte den Einsatz der Baumarten in unseren Wäldern?

Homola: Erst einmal war ich beeindruckt, wie viele Messparzellen angelegt wurden, auf denen die verschiedenen Mischungen und Baumarten mit Blick auf unterschiedliche Standorte untersucht werden. Nur mit solchen begleitenden Untersuchungen kommen wir weiter. Daher ist es etwa auch möglich, einen Exoten wie Teak anzupflanzen, auch wenn der hin und wieder Probleme mit sich bringt, Pilze zum Beispiel. Ansonsten ist es natürlich noch besser, heimische Baumarten zu verwenden, etliche kannte ich zuvor noch gar nicht wie den Cebo, Corteza oder Botarrama. Gefreut habe ich mich auch, auf der Finca San Rafael Pflanzungen mit Mahagoni zu entdecken – eine sehr wertvolle und zukunftsträchtige Baumart, und obendrein heimisch in Mittelamerika.

BaumInvest: Wir nehmen an, Sie wurden bei Ihren Streifzügen durch unsere Wälder begleitet.

Homola: Es war immer mindestens ein Förster dabei, der mir alles gezeigt hat. Da ich nahezu fließend Spanisch spreche, konnte ich beispielsweise mit dem Forstleiter Pablo Angulo lange Gespräche führen – immer auf Augenhöhe, immer mit flachen Hierarchien. Ich wollte niemandem etwas aufzwängen, nur mit beratender Funktion zur Seite stehen , Tipps geben und mir in meiner Funktion als Aufsichtsratsmitglied ein Bild machen.

BaumInvest: Letztes Jahr haben Sie mit einem Team den Forstbericht zur Übernahme der Bewirtschaftung durch die eigene Struktur von BaumInvest vor Ort in Costa Rica angefertigt. Was können Sie nach einem Jahr nach Anfertigung des Berichtes sagen?

Homola: Wir hatten im September vergangenen Jahres den Bericht erstellt, in dem wir Defizite in der praktischen Forstbewirtschaftung aufgeführt hatten, z.B. Versäumnisse bei Entastungs- und Durchforstungsmaßnahmen vor allem bei den Pionierbaumarten. Als wir jetzt dort waren, haben wir allerdings erlebt, dass diese Dinge tatkräftig angegangen wurden. Jetzt bekommen manche Zukunftsbäume wieder mehr Licht, das sie zum Wachsen brauchen. Wir sind mit der eignen Struktur auf einem guten Weg, dennoch wird es zwei bis drei Jahre dauern, die Defizite in der Bewirtschaftung völlig zu beheben. Aber da mache ich mir keine Sorgen. Das Team vor Ort ist äußerst motiviert, und mir persönlich hat es sehr viel Spaß gemacht, mit dem Forstteam zusammenzuarbeiten.

BaumInvest: Dann steigen Sie doch noch mit ein …

Homola (lacht): Als Berater und Begleiter bin ich gerne dabei, es bereitet mir Freude, solch ein Projekt zu begleiten und Entwicklungen zu sehen. Ich greife da nicht ins operative Geschäft ein, das machen die Mitarbeiter, hier und vor Ort, sehr professionell und durchdacht. Was mich, wenn ich das noch kurz erwähnen darf, besonders beeindruckt hat, ist, dass jeder Förster, und auch die anderen Mitarbeiter, eigenen Ideen und Beobachtungen einbringen können. Das ist herausragend, nur so entwickeln sich die Wälder und Projekte. Zudem entsteht so ein stärkeres Zusammengehörigkeitsgefühl.

BaumInvest: Abgesehen von Ihren Besuchen auf den Fincas, kamen Sie denn auch in den Genuss eines landestypischen Barbecues?

Homola: Ohne das wäre ich nicht abgereist (lacht). Das Team vor Ort, Antje Virkus und ich haben natürlich auch an unserem Bürostandort zusammen gegrillt und uns dabei bestens unterhalten. Die Menschen sind sehr offen – und hilfsbereit, wie ich direkt bei meiner Anreise erleben durfte.

BaumInvest: Erzählen Sie.

Homola: Auf der Fahrt vom Flughafen zum Hotel in San José muss mir der Reisepass aus der Hosentasche gerutscht sein. Jedenfalls hatte ich ihn nicht mehr, als ich im Hotel eincheckte. Zum Glück hatte ich eine Quittung vom Taxifahrer erhalten, auf dem die Nummer des Taxiunternehmens stand. Die Rezeptionistin telefonierte eine Weile rum, machte den Fahrer dann ausfindig – und eine Stunde später hatte ich meinen Pass wieder. Trotz der Schreckminuten ein äußerst positives Erlebnis – und der Start in eine tolle und aufregende Woche.

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