Der BaumInvest Blog

Reisebericht der Vorständin im Juni 2021

by | 25. Jun 2021 | Neues aus Costa Rica

Skorpione unterm Bett, Forst-Wissenschaftler auf den Fincas, Begehungen im Wald: Auf meiner jüngsten Reise in Costa Rica habe ich einiges erlebt. Zwei Wochen lang war ich vor Ort, um Kooperationen anzubahnen, das Baumwachstum der Wälder zu begutachten und mich mit Forst-Experten auszutauschen.

Die steigende Nachfrage nach CO2-Unternehmenswäldern führt dazu, dass wir mit BaumInvest viele weitere Flächen benötigen, auf denen wir neue Wälder aufforsten können. Auch das war einer der Gründe, weshalb ich neulich nach Costa Rica gereist bin. Besonders im Norden habe ich zusammen mit Marco Soto, dem Geschäftsführer unserer Tochtergesellschaften interessante Flächen mit hohem Potential entdeckt. Sie liegen in der Nähe der Stadt Liberia und grenzen an eines der weltweit größten und ältesten Restaurierungsprojekte von Wäldern, dem 168.000 Hektar großen Schutzgebiet Guanacaste.

Initiiert und gefördert wurde das Schutzgebiet vom Guanacaste Dry Forest Conservation Fund (GDFCF) welcher von dem passionierten Biologen Daniel Janzen gegründet wurde.
Er ist seit den 60er-Jahren in Costa Rica aktiv.
Mittlerweile arbeitet er eng mit der costa-ricanischen Naturschutzbehörde SINAC zusammen und betreibt verschiedene Forschungsstationen. Gemeinsames Ziel: die biologische Vielfalt in Costa Rica – einem Land, das vier Prozent der weltweit biologischen Vielfalt auf nur 0,01 Prozent der Erdoberfläche beheimatet – aufzudecken und zu katalogisieren.
Ein Wettlauf mit der Zeit, wie Daniel Janzen bestätigt,

denn immer mehr Arten sterben aus, ohne vorher entdeckt zu werden.
Jedes weitere Schutzgebiet wird helfen, den Verlust der Artenvielfalt einzuschränken.
Ein Ansatz, den BaumInvest teilt und schon lange umsetzt. Unser Konzept, das wir seit Beginn verfolgen, indem wir bevorzugt Flächen in unmittelbarer Nähe oder angrenzend zu Naturschutzgebieten mit naturnahem Mischwaldsystem aufforsten und davon 25% unserer Flächen als Schutzgebiet ausweisen unterstützt den Erhalt der Artenvielfalt. Die Erfolge dieses Ansatzes werden regelmäßig in Zusammenarbeit mit dem Senckenberg Institut gemessen und dokumentiert.

Ein nächster Stopp auf unserer Reise war die Region Upala, deren Böden sich unter anderem besonders gut für Kakao-Anbau und landwirtschaftliche Produkte eignen. Der Kakao-Anbau erfolgt hauptsächlich über Kleinfarmer und Kooperativen.
Die meisten dieser Kleinfarmer haben freies Land zur Verfügung, das sie gerne sinnvoll zum Einsatz bringen möchten

Hier kamen wir ins Spiel, wir konnten ausführlich über die Möglichkeiten von Landnutzung durch Aufforstung berichten.
Die von uns besuchten Kleinfarmer und der Geschäftsführer des Hauptabnehmers dieser Kakao-Bohnen – welcher den Austausch initiiert hat- waren durchweg begeistert von unserem Konzept.

Die zweite Woche meiner Costa-Rica-Reise war genauso spannend wie die erste. Es ging mit vielen Treffen und anregenden Diskussionen weiter.
Die erste Etappe meiner zweiten Woche war unser Besuch bei FUNDECOR. Dort haben wir Ronnie De Camino – emeritierter Professor des Forschungsinstitutes CATIE (The Tropical Agricultural Research and Higher Education Center) – kennengelernt. Ziel der Zusammenkunft war es, mögliche Kooperationen zu eruieren.
Nachdem wir unser Konzept und unsere Strategie vorstellen konnten und mehr über FUNDECOR erfahren haben, kamen wir recht schnell zu der Erkenntnis, dass wir viele Überschneidungen haben und zukünftige Kooperationen durchaus möglich sein könnten.

Gemeinsam besuchten wir einen nahegelegenen Partnerbetrieb, ein Sägewerk, das heimische Edelholzarten verarbeitet.
Anschließend sind wir in einen bewirtschafteten Naturwald gefahren. Es war sehr interessant sich hier über Erntepraktiken und Erntezeitpunkte auszutauschen.
Der zweite Tag mit FUNDECOR und Ronnie de Camino fand auf unserer Finca La Vigen statt. Wir konnten hier unser Mischwaldkonzept sowie das NFCP (Natural Forest Conservation Program) – unsere Initiative zur Schaffung und Erhalt von Naturwald – Schutzgebiet, vor Ort begutachten. Mittlerweile haben sich schon viele Naturwald-Erhalter eingefunden.

Die Umsetzung unseres Mischwaldkonzeptes – auf angrenzender Fläche zum Nationalpark Braulio Carrillo – war bei den über zehn Jahre alten Aufforstungen mit einheimischen Baumarten deutlich sichtbar. Ronnie De Camino war sehr angetan von unserer Philosophie und unserem Konzept und gab uns wertvolle Hinweise hinsichtlich einer möglichen Weiterentwicklung unseres Pflanzkonzeptes.
Auf La Virgen konnte man sehr deutlich den Erfolg der vom costa-ricanischen Team eingeleiteten wichtige Durchforstungsmaßnahmen sehen. Durch die Ausdünnung erhalten die Werthölzer den nötigen Platz, den sie für ein optimales Wachstum benötigen. Teilweise wurden sogar bis zu 50 Prozent ausgedünnt, was dringend nötig war.

Ebenfalls auf La Virgen konnte ich Fußabdrücke von einigen tierischen Bewohnern – insbesondere die eines seltenen Tapires – entdecken und kam in den Genuß, eine nach unseren Vorgaben gestaltete Bushaltestelle persönlich zu inspizieren; Ich bin begeistert von dem  schönen Ergebnis!
Nach einem Kurzaufenthalt und verschiedenen Meetings in Ciudad Quesada durfte ich – sozusagen als krönender Abschluss meiner Reise – am Abreisetag in San Jose das Atelier und die Kunstwerke von Ronnie de Camino bewundern… Collagen, alle aus einheimischem Holz erstellt, sehr beeindruckend.

Eine kleine Anekdote zum Schluss:
Nach einem interessanten und austauschreichen Tag mit Daniel Janzen und dem Team von GDFCF / ACG, freute ich mich auf meine Schlafstätte direkt im Nationalpark, aber es kam anders als gedacht.
Als ich mich im Zimmer einrichten wollte fiel mein Blick auf die offenen Tür- und Fensterschlitze sowie die netten 8-beinigen Mitbewohner an den Wänden des Zimmers, was mich nicht gerade besonders erfreut hat. Als dann auch noch ein schwarzer Skorpion unter dem Bett hervorkam war mir sofort klar, dass ich eine andere Übernachtungsmöglichkeit finden muss… Ich bin absolut für Biodiversität, aber keine 8-Beiner in unmittelbarer Schlaf-Nähe und keine Skorpione unterm Bett 😉
Die Zeit verging wie im Flug, ich genieße es immer wieder, wenn ich in Costa Rica bin…

Herzliche Grüße,
Antje Virkus

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